Schmerzbehandlung
mit Opiaten und anderen potentiell suchtfördernden Stoffen
Das
Thema ist sicherlich genauso alt wie Schmerz und dessen Behandlung
selbst.
Es
ist der Vergleich vom Nikotin- Pflaster zur Zigarette zu ziehen:
Die
Zigarette ist der „Kick“, das Pflaster verhindert
Nikotinentzug, vermittelt aber nicht den „Kick“, den
Raucher suchen.
Ähnlich
wie beim Nikotin ist es mit den Schmerzpflastern:
Die Blutspiegel
der Opiate sind während der Therapie sehr konstant, da wird kein
„High-Gefühl“ erzeugt, da ist bestenfalls
Benommenheit, Übelkeit sowie Stuhlverstopfung vorhanden.
Die Gabe von Opiaten mit stark schwankender Wirksamkeit ist sicherlich obsolet und führt zur iatrogenen Opiatabhängigkeit.
Wenn die Schmerzursache angegangen werden kann, es zur Schmerzfreiheit kommt, dann sind die allermeisten Patienten daran interessiert, das „Benommenheitsgefühl“ durch das Pflaster loszuwerden. Es ist stufenweise Opiatreduktion in solchen Fällen sinnvoll, in aller Regel ohne größere Probleme, letztlich kann dann auf Opiate völlig verzichtet werden.
Bleibt die Schmerzursache bestehen, so muß aufgrund der Schmerzen die Therapie, einschließlich Comedikation fortgeführt werden, um die Schmerzen hinreichend kontrollieren zu können. In diesem Kontext ist zwar eine Abhängigkeit von Medikamenten vorhanden, die Therapie aber gewiss kein Opiatmißbrauch. Womöglich ist die Therapie sogar geeignet, das Entstehen einer Schmerzkrankheit zu verhindern.
Eine Schmerzkrankheit ist dann anzunehmen, wenn länger dauernde Schmerzen zu Veränderungen der Persönlichkeitsstruktur geführt haben. Ursache der Veränderungen sind neuromodulatorische Veränderungen, Wegfall bzw. Umkehr der Funktion ehemals schmerzhemmender Nervenbahnen, aber auch die Persönlichkeitsstruktur vor der Schmerzstörung, besonders aber die Schmerzdauer, Schmerzstärke, soziale Ausgrenzung, Perspektivlosigkeit.
Bei einer vollständig entstandenen Schmerzkrankheit gibt es überhaupt keine schmerzfreie Zeit mehr, außer im Schlaf. Es besteht entsprechend ein vermehrtes Schlafbedürfnis, zumal eine gute Schlafqualität und Länge sich schmerzreduzierend auswirken kann.
Ein Patient mit voll ausgebildeter Schmerzkrankheit wird Momente suchen, in denen Schmerzfreiheit, egal um welchen Preis besteht. Da sind vor allem Benzodiazepine sowie Opiate, ggfs. auch Alkohol gefragt. Besteht ein entsprechendes Patientenverhalten, so ist dies als Hinweis auf das Bestehen einer Schmerzkrankheit zu werten.
Die Grenze zwischen Gebrauch und Mißbrauch ist dabei sehr fließend. Das wichtigste Kriterium ist letztlich, daß der Patient ohne körperliche Schädigung ein Maximum an Leistungsfähigkeit und Schmerzlinderung erzielt, womöglich gar seine soziale Integration erhalten kann.