Schmerzchronifizierung.

Die Stadieneinteilung der Schmerzchronifizierung nach dem (zum Herunterladen ist der Acrobat Reader © erforderlich), über diesen Link sind die Testanweisungen Modell der Schmerzchronifizierung nach Gerbershagen einsehbar.
Das Modell nach Gerbershagen ist in die Jahre gekommen und Ausdruck einer „asymetrischen“ Medizin. In früheren Zeiten sagte der Arzt was die Krankheit ist und wie sie zu behandeln ist.

Stadieneinteilung der Schmerzen

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Diese Seite zeigt mit faszinierender Präzision die Schmerzchronifizierung, wie sie vor Jahrzehnten entsprechend den seinerzeitigen Vorgaben als einfach und nachvollziehbar erwies.

Für mich ist es völlig inakzeptabel, daß ein Bewertungsmaßstab eine nicht kontinuierliche Opiattherapie quasi „als günstig“ einstuft, wenn sie an weniger als 15 Tagen im Monat erfolgt.
Es tut mir leid, aber das „Modell Gerbershagen“ gehört ins Antiquariat.
Aber die Übersichtlichkeit und Systematik von Prof. Gerbershagen hat dazu geführt, daß sein Modell auch jetzt noch in Gebrauch ist.

Sowohl die Aspekte zum zeitlichen Schmerzauftreten (Achse 1) als auch die räumliche Schmerzausdehnung (Achse 2) können auch in der jetzigen Zeit zur Anwendung kommen uns sind sicherlich eine Pionierleistung.

Achse 3, zum Einnahmeverhalten von Medikamenten ist völlig überholt, heute wird eine regelmäßige, nach der Uhr einzunehmende Arzneitherapie der jeweils sinnvollen Medikamenten-Klassen angestrebt, zusätzlich noch eine weitere Gabe für den Fall von Schmerzspitzen, was dem betroffenen einen großen Teil ihrer Hilflosigkeit nimmt und die Eigenverantwortung betont. Es hat sich gezeigt, daß so Abhängigkeitsverhalten gegenüber Opiaten/ Opioiden nur selten findet, bei Beruhigungsmitteln sieht dies anders aus, die Meinungen zur Einnahme insbesondere von „Benzodiazepinen“ wie etwa Valium ® wird kontrovers diskutiert, eine beruhigende, schlaffördernde Wirkung besteht nach längerer Einnahme nicht mehr, aber es bleibt, insbesondere durch Muskelentspannung, eine Verbesserung der Schlafqualität in der 2. Nachthälfte, wodurch die Schmerzwahrnehmung reduziert wird. Ein unruhiger, bewegungsreicher Schlaf der 2. Nachthälfte oder gar Schlaflosigkeit als Schmerzfolge führt zur erheblichen Schmerzverstärkung. Schlafentzug ist eine Form der Folter, wenn dieser schmerzbedingt entsteht ist es sicherlich gerechtfertigt auch in einer Dauertherapie Benzodiazepine anzuwenden. Noch streiten sich Schlafforscher und Schmerztherapeuten. Mit der Einführung von Valium schien eine „Wunderdroge“ geboren zu sein. Doch wo Licht ist, da ist auch immer Schatten, das hat sich recht bald gezeigt. Heute besteht eher die Neigung, das Kind mit dem Bade auszuschütten und auch den Patienten, die von Benzodiazepinen profitieren können, diese vorzuenthalten. Feste Leitlinien für die Therapie fehlen noch, interdisziplinäre Zusammenarbeit (zwischen Schlafforschern und Schmerzspezialisten) ist hier gefordert.

In der heutigen „symetrischen“ Medizin nennt der Arzt die Diagnose und bespricht mit dem letztlich entscheidenden Patienten die möglichen Therapien.
Es spricht für eine deutliche menschliche Distanz, wenn bei Gerbershagen das Ausmaß einer Schmerzchronifizierung im wesentlichen an einer als „inadäquat“ eingeschätzten Selbstmedikation festgemacht wird. Da erfolgt dann quasi eine Schuldzuweisung an die Patienten, heute wissen wir, welch gravierende Fehler früher in der Schmerztherapie gemacht wurden, auch viele, sehr hilfreiche Medikamente standen nicht zur Verfügung.
Die Schuld für einen eigenständigen Weg in der Arzneitherapie wird den Patienten zugeordnet.
Ist das denn die Schuld der Patienten oder ist es der Ausdruck des Versagens bestehender Therapieschemata?
Dies war in der Zeit der Entstehung des Mainzer Stadienmodells mit Sicherheit der Fall, Dauertherapie mit Opiaten galt als obsolet, heute ist die kontinuierliche Gabe einer angemessenen Opiatdosierung zum Dogma geworden.

Du darfst das nicht machen (dem Patienten hilft es aber), was ist der helfende Ersatz?

Es ist sicher einfach, den betroffenen die Schuld für mangelnde Therapieerfolge zu geben.
Patientenschelte ist bestimmt der falsche Weg.
Statt Schuldzuweisungen sollte die gemeinsame Suche nach besseren Hilfen im Vordergrund stehen. Patienten, Angehörige und Ärzte werden sich zunehmend über die heute gangbaren Wege der Therapie abstimmen müssen.
Dabei sollte es auch durchaus eine Selbstverständlichkeit werden, wenn der Arzt vom Patienten lernt. Denn dieser ist letztlich das einzige „Versuchstier“, das befragt werden kann.

Achse 4 bei Gerbershagen ist die Patientenkarriere, festgemacht an der Zahl der Arztwechsel, schmerzbedingter Krankenhausaufenthalte, schmerzbedingter Operationen sowie Rehabilitationsverfahren.
Die Anzahl der Arztwechsel ist leider Gottes in der mangelnden schmerztherapeutischen Erfahrung der meisten Ärzte zu suchen, oftmals sind deshalb überflüssige Krankenhausaufenthalte hinzugekommen. Glücklich der Patient, der mit einem Schmerztherpeuten im Krankenhaus (meist einem Anästhesisten) zusammenkommt, der ihm beim weiteren Weg hilft.
Aber auch im Krankenhaus fehlt es viel zu häufig an schmerztherapeutischer Kompetenz.
Schmerzbedingte Operationen können sinnvoll im Sinne der Schmerzlinderung sein, aber auch blinder Aktionismus von Ärzten, die keine andere Therapie anbieten können.
Rehabilitationsmaßnahmen von Schmerzpatienten sind keineswegs mehr ein Ausdruck der Schwere der Erkrankung, eher zeigt sich in der Genehmigung von Heilverfahren die Finanzlage der Rentenversicherung. Heilverfahren können durch Kontakt, Austausch, sowie hochkompetene ärztliche Fürsorge eine sehr gute Hilfe im Umgang mit einer chronisch gewordenen Schmerzstörung sein.
Es ist ein schweres Versagen der Medizin, wenn trotz erheblicher Fortschritte bei den verfügbaren Therapien Arztwechsel und Krankenhausaufenthalte, womöglich sogar sinnlose Operationen immer noch als Maß für die Chronifizierung gelten.
Es ist heute zu fordern, daß bundesweit in angemessener Erreichbarkeit für jeden Schmerzpatienten ein qualifizierter Arzt zur Verfügung steht. Es bricht keinem Kollegen ein Zahn aus der Krone, wenn er seinen Schmerzpatienten die Hilfe qualifizierter Kollegen zukommen läßt. Ganz im Gegenteil: der Patient sieht den Hausarzt als seinen „Lebensbegleiter“. Wenn bei jeder gravierenden Krankheit auch das Urteil eines Spezialisten eingeholt wird, so steigert dies das Ausmaß der vom Patienten wahrgenommenen Fürsorge. In der arbeitsteiligen Medizin sollte jeder nur das machen, was kein anderer besser verrichten kann.